Papier

Papier wurde um 100 n. Chr. in China erfunden. Vermutlich entstand Papier anfangs aus Textilabfällen, die zerschnitten, in Wasser eingeweicht, zerstoßen und zu einer gleichmäßigen Masse von Fasern verarbeitet wurden und geschöpft werden konnten. Später hat man Fasern aus der Rinde von Sträuchern geschlagen, sie in Wasser aufquellen lassen und zu Papier verarbeitet. Erst 1390 nahm in Deutschland die erste Papiermühle in Nürnberg ihre Arbeit auf.

Papier ist die Basis für die Präsentation – den Transport – von Schrift und Bildern. Diese Tatsache macht deutlich, dass die Wahl und der Einsatz des richtigen Papiers von großer Bedeutung sind.

„Papier hat eine Spannkraft wie kein anderes Material und seine Textur schmeichelt den Fingerspitzen. Wäre es grün wie frisches Laub oder orange wie eine reife Persimone oder hätte es eine weiche Konsistenz wie Vinyl, wäre es vermutlich nicht zu der rasanten Entfaltung einer auf Schrift- und Druckwesen basierenden Kultur gekommen.“ (Kenya Hara)

Kenya Hara, ein bekannter japanischer Designer, hat mit „Weiss“ ein ganzes Buch über Weiß (das mehr als die Farbe Weiß ist) und Papier geschrieben. Er schildert darin, dass weißes Papier einen Raum schafft, der Bilder und Schrift aufnehmen kann:

„Das Weiß des Papiers zeichnet sich durch ungestörte Stille aus, wie sie in den spannungsgeladenen, konzentrierten Momenten herrscht, bevor Dinge zum Ausbruch kommen, und durch das erregende Gefühl, dass etwas noch Unsichtbares in einer gigantischen Umsetzung münden kann … Setzt man auf ein derart charakterisiertes weißes Papier mit schwarzer Tinte Bilder und Buchstaben, ist das ein aufregender Gegensatz. Wahrscheinlich liegt in diesem Kontrast eine der wichtigsten Wahrnehmungen der Menschheitsgeschichte und seine Einzigartigkeit hat nachhaltig auf die gesamte Kulturgeschichte ausgestrahlt.“

Wird dieses Gestaltungspotenzial bei der Papierauswahl berücksichtigt, ist es offensichtlich, dass die verschiedenen Varianten und Wirkungen der genauen Betrachtung bedürfen. Es gibt unzählige weiße Papiere mit ganz unterschiedlichen Oberflächen – glatt und porig, matt und glänzend, volumig und dünn, transparent und opak …

„Buchgestaltung beginnt damit, unterschiedlich weiße Papiere miteinander zu vergleichen. Für Bucheinband und Schutzumschlag, Vorsatz und Frontispiz sowie für den Buchblock werden die Eigenschaften des Papiers sorgfältig gegeneinander abgewogen.“ (Kenya Hara)

Die Auswahl des Papiers hängt also vom Farbton bzw. Weißgrad des Papiers und seiner Veredelung oder, anders betrachtet, von seiner optischen und haptischen Anmutung ab. Soll das Papier eine emotionale Betonung der Inhalte unterstützen oder eher nüchtern und distanziert wirken? Soll es verstärken, kontrastieren oder abmildern, soll es rustikal, elegant oder natürlich sein? Zusätzlich sind technische Zusammenhänge zu berücksichtigen, denn natürlich kommt es bei der Wahl des Papiers besonders auf die gewünschte Abbildungsqualität (Schärfe, Farbintensität) von Schrift, von Portraits, technischen Darstellungen, Naturbildern und von einzelnen Farben an. In verstärktem Maße kommen heute außerdem Umweltgesichtspunkte wie Holz aus kontrolliertem Anbau, Recycling und eine umweltverträgliche Produktion hinzu.

Sowohl der Inhalt selbst als auch die Frage, ob er in Form reinen Texts oder als Text-Bild-Band dargestellt werden soll, beeinflussen deshalb die Wahl der richtigen „Leinwand“ für Ihre Botschaft. Das Papier eines Corporate Books muss allgemein zum Unternehmen passen, zu seinen Produkten und seinen Zielgruppen. Dabei gilt es, sich üblicher Formen der Darstellung und eingespielter Leseerwartungen bewusst zu sein – um diese erfüllen oder auch brechen zu können.

Durch eine bewusste Auswahl des Papiers kann man in der Kombination mit Druck und Inhalten unterschiedliche Effekte erzeugen. Wir ermöglichen Ihnen, dies wirkungsvoll auszuspielen.

Literatur: Hara, Kenya (2010): Weiss. Baden (Schweiz): Lars Müller Publishers.